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Die Blutegelbehandlung

 

Einleitung

Neben Aderlass, blutiger Schröpfkopfbehandlung, Cantharidenpflasterbehandlung und Baunscheidtismus gehört die Blutegelbehandlung zu den sogenannten ausleitenden Verfahren. Die Naturheilkunde will mit den ausleitenden Behandlungsverfahren Stoffe aus dem Körper entfernen, welche einer aktiven reparativen Selbstheilung entgegenstehen.

Im Speichelsekret des Blutegels ist das Hirudin enthalten. Dieser wichtigste Stoff des Blutegels macht das Blut im Bereich der Bissstelle für etwa 4-24 Stunden ungerinnbar. Hirudin gelangt auch in den Gesamtorganismus und ruft eine Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes hervor. Ein weiterer bekannter Wirkstoff des Speichelsekretes ist das Histamin, welches zur lokalen Gefäßerweiterung führt. Dadurch blutet die Bisswunde lang und kräftig nach.

 

Allgemeine Wirkungen der Blutegelbehandlung

Die Blutegel bewirken lokal und bei intensiverer Anwendung auch auf den Gesamtorganismus eine deplethorische und dekongestionierende Reaktion. Plethora ist die Blutfülle, Kongestion die Blutstauung. Sowohl zu starke Blutfülle als auch eine Blutstauung wird vermindert bis aufgehoben.

Blutegel haben eine antiphlogistische Wirkung, d.h. sie wirken entzündungshemmend. Bei fast jeder Form der Entzündung können sie nutzbringend eingesetzt werden.

Sie haben eine resolvierende, d.h. wiederverflüssigende, zerteilende Wirkung. Also auch die Folgezustände von Entzündungen wie z.B. chronische Gewebeverhärtungen oder Ergussbildungen in Körperhöhlen, aber auch Verhärtungen nach großen Blutergüssen werden durch die Anwendung von Blutegeln positiv beeinflusst.

Auch gutartige Neubildungen und krankhafte Organvergrößerungen, wie Schilddrüsenstruma, Leber- und Milzhypertrophie und Herzdilatation gehen oft nach Blutegelanwendung wieder zurück.

Die krampf- und schmerzstillende Wirkung hängt mit der entstauenden und antientzündlichen Wirkung zusammen. Man macht sie sich zunutze bei Kopfschmerzen, Augen- und Ohrenschmerzen, Schmerzen der Lunge, des Herzens, der Venen, der weiblichen Geschlechtsorgane und bei Gallen- und Nierenkoliken. Blutstauungen im Bereich des Darmausganges führen zu den unangenehmen Hämorrhoiden. Die Ursache für dort auftretende Stauungen liegt in der Regel im Abflussorgan des Pfortadersystems, also in der Leber. An die Hämorrhoiden gesetzte Blutegel bewirken nicht nur eine Linderung oder Beseitigung der lokalen Beschwerden, sondern fördern auch die Leberdurchblutung, weil die Wirkstoffe des Blutegels über die Pfortader auch die Leber erreichen.

Bei gestauter oder zu schwacher Menstruationsblutung können Blutegel mit Erfolg eingesetzt werden, denn eine ungenügende Menstruation kann zu schweren Krankheiten bei der Frau führen. Werden in solchen Fällen Blutegel im Bereich des Scheideneingangs oder auch an den Darmausgang angesetzt, so wird die Menstruation noch einmal verbessert. Oder es wird durch die Blutegelblutung eine Ersatzentgiftung ausgelöst, wenn die monatliche Blutung bei der Frau aufgrund der Menopause bereits erloschen ist. Wenn der Patientin die Anwendung der Egel im Intimbereich zu unangenehm ist, können die Blutegel ersatzweise über dem Kreuzbein am unteren Rücken angesetzt werden. Dort ist die Reflexzone der Unterleibsorgane. So können damit Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche gelindert werden.

Fernerhin kann der Therapeut die Egel bei Blutandrang zum Kopf, Asthma bronchiale, Angina pectoris und anderen Brustkrämpfen und Entzündungen von Leber und Gallenblase einsetzen.

Früher nannte man die Blutegelblutentziehung am Darmausgang die „Therapie der goldenen Ader", denn es werden damit auch in solchen Fällen Linderung oder Heilung erzielt, wo Aderlass oder Egelanwendung an anderen Körperstellen nicht helfen.

Die Blutegelbehandlung hat ganz allgemein entgiftende, blutreinigende, stoffwechselverbessernde Wirkung. Dem Blutegel wird auch eine immunstärkende Wirkung zugesprochen (Technik der Konstitutionstherapie, Bernhard Aschner, 7. Auflage, neu bearbeitet von I. W. Müller, 1995, S. 163).

Die deutliche Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes ist besonders nützlich bei der allgemeinen Adernverkalkung älterer Menschen. Die Nutzung dieses Effektes des Blutegelwirkstoffes ist auch einsetzbar bei jüngeren Menschen, die aufgrund einer Erkrankung wochen- bis monatelang liegen müssen oder zumindest in ihrer gewohnten Mobilität gehindert sind.

Die Blutegelwirkstoffe haben neben der Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes eine gefäßwandstabilisierende Wirkung, dies macht man sich bei Krampfadern, oberflächlichen Venenentzündungen (Phlebitis) und Gefäßschäden bei und nach tiefer Beinvenenthrombose zunutze.

Aufgrund der Kombination verschiedener o.a. Wirkweisen werden Geweberegeneration und Heilung nach Sport- oder Arbeitsunfällen gefördert. Die Heilungsdauer bei Gewebe- und Muskelquetschungen und bei Bindegewebsrissen und –anrissen sowie nach entsprechenden Operationen wird verkürzt.

 

Technik der Blutegelanwendung

Die Blutegel werden von der Züchterei (z.B. Firma Animalpharma in Weismain in Bayern) in gewässerten Petrischalen per Post verschickt.

Der Patient nimmt eine bequeme Position im Sitzen oder besser im Liegen ein. Unter den zu behandelnden Körperteil, wird eine große, saugfähige Krankenunterlage ausgebreitet, um die Nachblutung in den ersten Minuten nach dem Abfallen der Egel aufzufangen. Die Hautpartien, wo die Blutegel angesetzt werden, dürfen nicht mit Salben oder parfümierten Kosmetika eingecremt worden sein. Die Haut soll und braucht auch nicht desinfiziert werden. Eine vorherige Reinigung mit Seife und gutem Nachspülen mit klarem Wasser ist optimal, damit die Tiere anbeißen. Um die Bissfreudigkeit der Blutegel zu verbessern, kann die Haut durch Reiben mit einem Tuch hyperämisiert werden. Durch Anstechen der Haut mit einer Kanüle kann man auch einen Blutstropfen austreten lassen und den Egel mit seinem Kopf in die Nähe dieses ausgetretenen Blutes führen. Der Egel wird durch das austretende Blut angelockt und beisst meis-tens nach einem kurzen Augenblick.

In dem runden Saugkopf des Blutegels liegen drei ovaläre Kiefer-platten, die sich wie ein dreistrahliger Stern zur Mitte hin berühren. In dieser dreistrahlig sternförmigen Anordnung liegen auch die feinen Zähne, mit denen der Blutegel sich nach dem Festsaugen in die Haut einfräst. Deswegen findet nach dem Abfallen der Blutegel die Nachblutung aus einer sog. mercedessternförmigen Wunde statt. Nach Abheilen der Wunde bleibt eine entsprechend geformte kleine Narbe zurück, die sich aber meistens nach Wochen bis einigen Monaten zurückbilden wird.

Wenn sich die Blutegel nach 20 bis 60 Minuten vollgesaugt haben, lassen sie los und fallen ab. Manchmal kann das Saugen auch bis zu zwei Stunden dauern. Wenn die Blutegel nicht loslassen wollen bzw. wenn man die Behandlung früher beenden will, dann darf man keinesfalls an den Tieren ziehen. Es können Zähne und Teile der Kiefer-platten in den Bisswunden hängen bleiben und zu schwer heilenden Entzündungen führen. Ein Tropfen Desinfektionsmittel auf den Kopf des noch festgebissenen Blutegels gebracht, verursacht ein sofortiges Loslassen des Tieres. Man sollte den so behandelten Egel aber in ein Glas mit Wasser geben, um ihn nicht unnötig leiden zu lassen.

Die Bissstellen lässt man noch 15 bis 20 Minuten nachbluten. Blutverschmierte Haut wäscht man sorgfältig ab und legt anschließend einen dichten Verband an. Der Verband wird nach ein bis drei Stunden durchgeblutet sein, von daher muss der Therapeut dem Patienten bzw. den Angehörigen ausreichend Verbandmaterial mitgeben und entsprechende Anweisungen zum Verbandwechsel geben, welcher am Tage der Blutegelbehandlung möglicherweise bis zu dreimal erfolgen muss. Manchmal ist die Blutung aber nicht so stark, dass kein Durchbluten des Verbandes stattfindet, dann braucht möglicherweise auch kein Verbandwechsel in Eigenregie durchgeführt zu werden.

Der Therapeut wird die Bissstellen am Folgetag noch mal ansehen wollen, um zu beurteilen, welche Verbandart dann noch notwendig sein wird. Nach spätestens 24 Stunden hat die Blutung aufgehört, und dann reicht ein normales Pflaster. Wenn aufgrund des Histaminehaltes des Blutegelwirkstoffes eine allergieartige Reaktion auftritt, kann am ersten bis dritten Tag nach der Behandlung eine stark juckende Rötung im Bereich der Bissstellen auftreten. Diese sollten jeweils mit 2,5 ml des Lokalbetäubungsmittels Lidocain 1 % unter-pritzt werden. Durch eine einmalige Injektion wird der entzündungsallergische Prozess meistens unterbrochen, so dass der Juckreiz nicht mehr auftritt. Die juckreizstillende Wirkung übertrifft die lokalanästhesierende Wirkung des Lidocains bei weitem. Letztere hält nur etwa 30 bis 40 Minuten an, der Juckreiz ist aber nach ein-aliger Infiltration meistens verschwunden. Dies hängt mit den zell-membranstabilisierenden Eigenschaften des Lidocains zusammen. Die Zellmembrandichtigkeit der Haut- und Gewebezellen im Bereich der Bissstellen war durch das Histamin im Speichelsekret des Blutegels vermindert worden.

Gebrauchte Blutegel müssen entsorgt werden. Man kann sie nicht wiederverwenden. Zum einen hätten sie circa zwei Jahre lang keinen Hunger mehr auf eine neue Blutmahlzeit, denn ihre Magenblindsäcke sind prall mit Blut gefüllt. Während des Saugaktes können sie ihr Volumen verfünffachen, so dass nach dem Vollsaugen 80 % des Gewichts aus Blut besteht. Zum anderen besteht immer die Vorstellung, dass Krankheitserreger von Blutegeln übertragen werden können. Es gibt dafür zwar keine Fallbeispiele, denn die relevanten menschenpathogenen Bakterien und Viren scheinen im Blutegel nicht lange überleben zu können. Außerdem gibt es die Beobachtung, dass Blutegel, die das Blut von schwerkranken Menschen gesaugt haben, nach kurzer Zeit sterben. Man sollte die Blutegel in einem geeigneten Biotop aussetzen, aber nur, wenn sicher ist, dass das Biotop nicht von Menschen betreten wird, welche erneut gebissen werden könnten. 

 

Einzelne Erkrankungen

Krampfadern (Varikosis)

Hierbei handelt es sich um die wohl klassischste Indikation für die Blutegelbehandlung. Krampfadern werden zwar nicht mittels Blutegelbehandlung beseitigt, sie werden aber kleiner und die Schmer-zen gehen zurück. Anschließend nach dem Abfallen der Egel und wenn der Patient wieder zu Hause ist, sollten die Beine einen Tag lang hochgelagert werden. Nachdem die Blutung zum Stillstand gekommen ist, wird für fünf Tage ein Zinkleimverband angelegt. Dadurch kommt es zu einer zusätzlichen Entstauung des Gewebes.

 

Akute Thrombophlebitis

Bei dieser oberflächlichen Venenentzündung sind die unter der Haut liegenden Venen akut und schmerzhaft geschwollen. Die umgebende Haut ist gerötet. Wenn auf diese Entzündungsbereiche Blutegel angesetzt werden, dann findet eine schnelle Schmerzreduktion und Abschwellung statt. Postentzündliche Verhärtungen bilden sich schneller zurück bzw. treten gar nicht erst auf. Innerlich sollten pflanzliche Venenkapseln (Mäusedorn, Kastanie, Troxerutin) und Bromelaintabletten (Ananasenzym) genommen werden.

 

Akute tiefe Beinvenenthrombose

Bei dieser Erkrankung hat sich ein Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene gebildet. Der venöse Blutabfluss ist gestört, so dass es zur akut schmerzhaften Schwellung des Beines unterhalb des Thrombus kommt. Tiefe Beinvenenthrombosen bilden sich in vorgeschädigten Venensystemen, besonders, wenn gleichzeitig noch weitere die Blutgerinnung verstärkende Faktoren vorhanden sind. Wenn der Thrombus noch relativ frisch ist, kann er durch die Wirkstoffe des Blutegels wieder aufgelöst werden, so dass sich die betroffene Vene rekanalisiert. Ist es aber bereits zu Bindegewebsbildungen im Thrombus gekommen, dann kann mit Hilfe der Blutegeltherapie die Ausbildung von Umgehungskreisläufen um den Thrombus herum gefördert werden. Eine tiefe Beinvenenthrombose ist immer lebensgefährlich weil sich der Thrombus lösen und zur Lungenembolie führen kann.

 

Hämorrhoiden

Bei dieser unangenehmen Erkrankung des Darmausganges sollten Blutegel im Therapieschema keinesfalls fehlen. Die Ursache von Hämorrhoiden ist meistens in der Leber zu finden. Es handelt sich um eine Abflussstauung des nährstoffreichen Blutes aus dem Darm in die Leber. Das aus dem Darm kommende nährstoffreiche Blut wird in der Pfortader vereinigt, einer kurzen und sehr dicken Ader. Diese führt das Blut in die „Leberpforte" hinein, deswegen heißt sie Pfortader. Anschließend zerteilt sich das Gefäßsystem innerhalb der Leber wieder baum-, ast- und zweigartig. Alkohol- und Menüexzesse, akute und chronische Belastungen durch lebertoxische Substanzen, wie z.B. Lösungsmittel und auch Ärger und Kummer können diese Pfortaderstauung hervorrufen, welche innerhalb von Stunden zu massiven Hämorrhoiden führen (im psychosomatischen Sinne kann dem Patienten eine „Laus über die Leber gelaufen" sein). Die bis zu pflaumengroß werdenden Erweiterungen des Analvenengeflechtes sind für die Patienten enorm schmerzhaft und können durch Entzündung verkompliziert werden. Meistens reduziert sich die Größe der Hämorrhoiden durch die Egelbehandlung bereits so stark, dass eine Operation entbehrlich oder zumindest erfolgversprechender wird. Kleinere Hämorrhoidenknoten können gänzlich zur Rückbildung gebracht werden.

 

Gefäßschäden nach Anwendung der Antibabypille

Bei jeder Frau, die eine Zeit lang künstliche Sexualhormone zur Schwangerschaftsverhütung genommen hat, treten sowohl arterielle als auch venöse Gefäßveränderungen auf. Es handelt sich dabei um Rauhigkeiten der Innenwandauskleidung der Blutgefäße. In einem dermaßen über Jahre oder gar Jahrzehnte vorgeschädigten Gefäßsystem können sich nicht nur die vorstehend beschriebenen Venenerkrankungen leichter ausbilden, sondern es ist auch die arterielle Blutversorgung der Muskeln und der Organe gestört, so dass der Transport des Sauerstoffs zum Ort seines Bedarfs vermindert ist. Regelmäßige, ca. zwei bis drei mal im Jahr stattfindende Blutegelbehandlungen können die Folgen jahrelanger Verhütung mittels künstlicher Sexualhormone lindern, wenn auch nicht aufheben.

 

Arteriosklerose

Bei den meisten Menschen, die ein entsprechend hohes Alter erreichen, tritt die Arteriosklerose genannte Gewäßwandverkalkung auf. Bei manchen Menschen kann dies aber früher auftreten. Dies könnte einerseits durch Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Einnahme künstlicher Sexualhormone und ungesunde Ernährung hervorgerufen werden, andererseits kann es auch erblich bedingt sein, wenn auch seltener.

 

Herzkranzgefäßerkrankungen

Durch die im Kapitel Arteriosklerose bereits genannten Risikofaktoren kommt es bei vielen älter werdenden Menschen zu Verengungen der das Herz mit Sauerstoff versorgenden Herzkranzgefäße. Auch Stress und „Hartherzigkeit" durch zu starkes Gerechtigkeitgefühl spielen dabei ursächlich eine Rolle.

Linksseitige, innere Brustkorbschmerzen mit oder ohne Ausstrahlung in den linken Arm und eine allgemeine Erschöpflichkeit sind die Symptome. EKG, Belastungs-EKG und Herzkatheteruntersuchung können die Diagnose sichern. Diese Erkrankung kann zum lebensbedrohlichen Herzinfarkt führen. Dem vorbeugend sollten bei solchermaßen betroffenen Patienten Blutegel regelmäßig einmal im Vierteljahr angesetzt werden. Die Lokalisation ist einmal auf dem Brustkorb vorne links unterhalb des Schlüsselbeins und zum anderen medial der Innenkante des linken Schulterblattes. In beiden Fällen handelt es sich um die Herzreflexzonen.

Medikamentös sollte jeder Herzpatient Galgantgewürz und Petersilienherzwein gemäß der Medizin der Heiligen Hildegard erhalten. Auch ein Präparat, das Kalium, Magnesium und Weißdorn enthält (z.B. Septacord oder Cardio-Longoral) sollte in keiner Herzbehandlung fehlen. Diese Mittel sind als wichtige und sinnvolle Ergänzung der Schulmedizin zu sehen. Daneben müssen die Medikamente genommen werden, die vom Allgemeinarzt oder Internisten verordnet worden sind.

 

Herzinfarkt

Auch nach einem Herzinfarkt wird sich eine Blutegelbehandlung als positiv für den Patienten erweisen. Die im vorangehenden Abschnitt erwähnten naturheilkundlichen Medikamente sind auch nach einem Herzinfarkt sehr empfehlenswert. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Überlebenschance bei einem akuten Herzinfarkt deutlich ansteigt, wenn der erstversorgende Arzt noch vor dem Transport ins Krankenhaus ein Magnesiumpräparat hochdosiert injiziert. Als Injektionspräparat kann das Magnesium-Diasporal 4mmol zwei Ampullen im Abstand von 5 Minuten langsam intravenös injiziert empfohlen werden. Leider hat sich die sofortige Magnesiumversorgung des Patienten mit akutem Herzinfarkt in der Notfallmedizin noch nicht durchgesetzt. Deswegen sollten gefährdete Patienten immer ein bis zwei Ampullen mit Magnesium 4 mmol und eine entsprechende Spritze und Kanüle bei sich tragen, auf welche der erstversorgende Arzt oder Rettungsassistent dann zurückgreifen kann.

 

Gehirninfarkt (Apoplex)

In Deutschland geht man von 140.000 jährlich neu auftretenden Hirninfarkten aus. Das Schicksal dieser Patienten ist oft sehr schwer, sind sie doch für den Rest ihres Lebens an den Rollstuhl gebunden oder als Pflegefall ständig auf fremde Hilfe angewiesen. Der Hirninfarkt wird genau wie der Herzinfarkt durch die Risikofaktoren begünstigt. Auf Dauer extrem hohe Blutdruckwerte (über 180/110) führen irgendwann zum Schlaganfall. Hier sollte der Blutdruck medikamentös herabgesetzt werden, aber das Kreislauf- und Gefäßsystem sollte in jedem Fall vorbeugend durch drei bis viermal im Jahr durchgeführte Blutegelbehandlungen stabilisiert werden. Die Blutegel werden im Nacken angesetzt – drei Stück auf jeder Seite. Oft führt das Vergessen oder gänzliche Absetzen von Hochdrucktabletten bei Patienten mit extrem hohem Blutdruck zum akuten Schlaganfallereignis. Hier ist also die Medikamentencompliance des Patienten wichtig. Fernerhin sind neben der regelmäßigen Blutegelbehandlung weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes wichtig, wie die regelmäßige und ununterbrochene Magnesiumeinnahme und/oder die Einnahme von fibrinolytischen (d.h. krankhaftes Bindegewebe abbauenden) Bromelaintabletten.

 

Lungenembolie

Wenn sich bei einer tiefen Bein- und Beckenvenenthrombose ein Blutgerinnsel ablöst, wird es als „Embolus" fortgeschwemmt und verfängt sich nach der Passage des rechten Herzens in den feinen Verästelungen des Lungengefäßsystems. Diese „Lungenembolie" kann sich durch das Anlagern weiterer Gerinnungspartikel schnell und stetig vergrößern und einen ganzen Lungenlappen, ja sogar einen ganzen Lungenflügel verstopfen. Dieses hochdramatische Geschehen ist meistens tödlich, es ist mit extremem Vernichtungsschmerz verbunden. Heute denkt kaum noch ein Arzt an die in einem solchen Fall segensreiche Blutegelbehandlung. In früheren Zeiten konnte das Leben manches Patienten durch die sofortige Blutegelanwendung gerettet werden. Die Notaufnahme eines jeden Krankenhauses müsste allein für die Indikation der Lungenembolie Blutegel vorrätig haben. Dabei muss aber massiv vorgegangen werden, um den lebensrettenden Erfolg zu erreichen. Jeweils ein Dutzend Blutegel auf die Brust und auf den Rücken des Patienten können die Lungengefäße wieder frei machen.

 

Tinnitus und Hörsturz

Beim Tinnitus handelt es sich um meist einseitige Ohrgeräusche, beim Hörsturz um den akut auftretenden totalen Verlust des Gehörs auf einer Seite. Frauen, zur deren Lebensstil die Einnahme von Sexualhormonen gehört, müssen diese sofort absetzen, wenn Hörsturz oder Tinnitus auftreten. Bei diesen Erkrankungen des Innenohres geht man auch von Durchblutungsstörungen aus, so dass hier eine Blutegelbehandlung helfen kann. Die Tiere werden dazu hinter dem Ohr auf den Warzenfortsatz, den Processus mastoideus aufgesetzt, also da, wo man im Falle einer alle möglichen Kopf-/Halsinfekte begünstigenden Lymphstauung das Cantharidenpflaster zur Anregung des Lymphabflusses aufklebt. Sicherlich muss bei diesen Erkrankungen die psychosoziale Situation des Patienten mit einbezogen werden, denn der Hörsturzpatient hat „viel um die Ohren", er „kanns nicht mehr hören". Erst wenn der Patient eine der beiden Krankheiten entwickelt hat, findet er Ruhe zum Entspannen und Erholen. Patienten mit akutem Hörsturz sollten aus dem belastenden Umfeld herausgehen, eine längerfristige Auszeit aus dem Berufsleben wird die Heilung erst möglich machen. Dazu durchblutungsfördernde Infusionen und in jedem Fall die Blutegelbehandlung.

Seit Monaten bestehender Tinnitus oder Hörsturz bildet sich meistens nicht mehr zurück, jedoch ist auch dann noch eine Blutegelbehandlung sinnvoll, um zu einer lokalen Mehrdurchblutung nicht erkrankter Gewebestrukturen zu gelangen bzw. um eine allgemeine Durchblutungsverbesserung zu erreichen.

 

Kopfschmerzen und Migräne

Auch hierbei kann man Blutegel mit gutem Erfolg einsetzen. Treten chronische und therapieresistente Kopfschmerzen und Migräne bei Frauen unter Sexualhormonbenutzung auf, müssen diese sofort abgesetzt werden. Die Blutegel werden dabei im Nacken, im Hinterkopfbereich oder auf der betroffenen Seite seitlich an der Schläfe angesetzt.

Manche Autoren (Pukownik, Blutegelbehandlung – Den Körper entgiften, Südwestverlag) empfehlen als Basislokalisation für das Ansetzen der Blutegel bei fast allen Krankheiten die Kreuzbeinregion, da von dieser zentralen Stelle aus der ganze Körper erfasst werden kann. Den guten Erfolg bei der Blutegelbehandlung der Migräne über das Kreuzbein hängt damit zusammen, dass über diese Lokalisation die Reflexzonen der Geschlechts- und Hormonorgane erfasst werden, wobei zu berücksichtigen ist, dass die weitaus meisten Migräne-Fälle bei Frauen hormonell bedingt sind, also im zyklischen Rhythmus wiederkehren. Im Beginn des akuten Migräne-Anfalles sollten versuchsweise Nasentropfen einer vom Apotheker herzustellenden fünfprozentigen Lidocain-HCl-Lösung eingesetzt werden. Viele Migräne-Patienten reagieren sehr gut darauf.

 

Morbus Meniere

Auch bei diesem anfallsweise auftretenden Drehschwindel kann eine Blutegelbehandlung versucht werden.

 

Verletzungen

Knochen- und Weichteilverletzungen

Bei Knochenbrüchen, Prellungen und Blutergüssen sollte niemals auf die Blutegelbehandlung verzichtet werden. Durch die hämatomauflösende und durchblutungsverbessernde Wirkung der Behandlung kommt es deutlich schneller zu Heilung. Außerdem werden die Schmerzen deutlich reduziert. Bei Knochenverletzungen sollte niemals die Anwendung der Heilpflanze Symphytum (Beinwell) äußerlich, innerlich homöopathisch und innerlich als Tee vergessen werden. Bei Blutergüssen ist Arnika äußerlich oder innerlich homöopathisch indiziert.

 

Bänderrisse und Kapselrisse

Bei diesen Gelenkverletzungen kommt es meistens zu ausgeprägten Blutergüssen. Auch blutet es in die Gelenke hinein. Bei nicht mehr ganz jungen Menschen kann dieses Einbluten in die Gelenkhöhle der Auslöser für eine chronisch arthrotische Entwicklung sein. Deswegen ist es bei Gelenkverletzungen so wichtig, über die Blutegelbehandlung eine resorbierende und den Bluterguss zerteilende Wirkung zu erzielen. Man kann den Patienten somit lange Folgebeschwerden nach ihrer Verletzung ersparen. Auch hierbei sollten Arnika und Symphytum (Beinwell) als wichtige Ergänzung der Behandlung eingesetzt werden. Blutegel sollten bei den meisten Sportverletzungen angewandt werden. Mancher Breiten- und Leistungssportler könnte auf diese Weise wieder früher aktiv werden bzw. zum Einsatz kommen. Dies dürfte dem Organismus besser bekommen, als sich mit Cortison wieder „fitspritzen" zu lassen.

 

Commotio (Gehirnerschütterung)

Blutegel sind hier sehr wichtig, um die mit jeder Gehirnerschütterung einhergehenden, mehr oder weniger ausgeprägten Hirnschwellung zu lindern. Die Egel werden auf die Schläfen, am Warzenfortsatz und am Hinterkopf angesetzt. Arnika in homöo-pathischer Potenz darf nicht fehlen.

 

Schleudertrauma

Wie bei allen Verletzungen kommt es auch beim Schleudertrauma darauf an, die Blutegelbehandlung möglichst bald nach dem traumatischen Ereignis durchzuführen. Die Tiere werden hierbei immer im Bereich der Nackenweichteile angesetzt. Es muss auch an die Gabe von Arnika in homöopathischer Potenz gedacht werden.

 

Weitere Indikationen

 

Infekte und Infektionen

Hautentzündungen Furunkel und Karbunkel

Bursitis (Schleimbeutelentzündung)

Hals- und Mandelentzündung (Pharyngitis und Tonsillitis)

Mittelohrentzündung (Otitis media)

Sinusitis frontalis und maxillaris (Stirnhöhlen und Nasennebenhöhlenentzündung)

Iritis, Retinitis, Katarakt und Glaukom (Regenbogenhautentzündung, Adernhautentzündung, grauer und grüner Star)

Kieferostitis und Gingivitis (Kieferknochenentzündung und Zahnfleischentzündung)

Pericarditis und Endokarditis (Herzbeutelentzündung und Herzklappenentzündung)

Pneumonie und Pleuritis (Lungenentzündung und Rippenfellentzündung).

Cholezystitis und Cholelithisasis (Gallenblasenentzündung und Gallensteine)

Gastritis und Pankreatitis (Magenschleimhautentzündung und Bauchspeicheldrüsenentzündung)

Appendizitis (Wurmfortsatzentzündung) und andere Darmentzündungen

Hepatitis (Leberentzündung)

Nephritis und Cystitis (Nierenentzündung und Blasenentzündung)

Adnexitis (Entzündung der weiblichen Geschlechtsorgane)

 

Gelenkerkrankungen und Rheuma

Arthritis (akute Gelenkentzündungen)

Gichtarthritis

Arthrosen (Gelenkdegeneration)

Tendovaginitis (Sehnenscheidenentzündung)

Epicondylitis humeri lateralis (Tennisellbogen)

Schultersteife


 

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